Chinesische Namen: Reihenfolge, Anrede und Geschlecht
Chinesische Vornamen bestehen meist aus ein oder zwei Silben und tragen eine bewusst gewählte Bedeutung, wodurch sich das Geschlecht aus der lateinischen Schreibweise deutlich schlechter erraten lässt als bei den meisten europäischen Namen. Der Nachname steht immer zuerst. Dieser Leitfaden erklärt die Namensreihenfolge, die in chinesischer Geschäftskorrespondenz üblichen Anredeformen, wie oft Namen von Männern und Frauen geteilt werden, und eine sichere neutrale Anrede für den Zweifelsfall.
Namensreihenfolge und Aufbau
Ein vollständiger chinesischer Name besteht aus Nachname, dann Vorname, ohne Komma: Wang Wei ist Herr Wang mit Vorname Wei, nicht umgekehrt. Der Nachname ist fast immer einsilbig (Wang, Li, Zhang und Chen sind die vier häufigsten), der Vorname ein- oder zweisilbig. Auf englischsprachigen Dokumenten und Pässen wird die Reihenfolge manchmal an die westliche Form angepasst, also lieber die Signatur einer E-Mail als Ganzes prüfen statt nur den ersten Namen zu nehmen.
Verheiratete Frauen in Festland-China behalten ihren eigenen Nachnamen; ein Hinweis auf den Familienstand über den Namen wie im Deutschen existiert nicht.
Anrede und Titel in der Geschäftsmail
Im chinesischsprachigen Schriftverkehr folgt die Anrede dem Nachnamen: Wang Xiansheng (Herr Wang) oder Wang Nvshi (Frau Wang). Auf Deutsch ist "Sehr geehrter Herr Wang" bzw. "Sehr geehrte Frau Wang" Standard, sobald das Geschlecht bekannt ist. Ist es das nicht, ist "Guten Tag Wei Wang" (vollständiger Name, ohne Anredetitel) eine sichere, neutrale Formulierung, die höflich und professionell wirkt statt unpersönlich.
Innerhalb Chinas werden Berufstitel häufig als Anredeform genutzt (Wang Jingli, "Geschäftsführer Wang"), in deutscher Korrespondenz an chinesische Kontakte ist ein einfacher Titel plus Nachname aber die verlässlichere Wahl.
Geschlecht und Namen
Viele Schriftzeichen im Vornamen sind traditionell eher männlich oder weiblich (Zeichen für Stärke, Klarheit oder Weite gelten als männlich; Zeichen für Blüte, Schönheit oder Anmut als weiblich), aber dieselbe Silbe kann für beide Geschlechter mit unterschiedlichen Zeichen geschrieben werden, und die lateinische Umschrift verwischt diesen Unterschied vollständig. "Wei", "Jing" und "Ming" sind bei Männern und Frauen gleichermaßen verbreitet; "Mei" und "Hua" sind eher weiblich, aber nicht ausschließlich. Bei einem einzelnen chinesischen Vornamen in lateinischer Schrift ist das Geschlecht ohne die Originalzeichen oder weiteren Kontext praktisch Zufall.
Was Sie im Zweifelsfall schreiben
Ist das Geschlecht wirklich unklar, adressieren Sie den vollständigen Namen ohne Titel: "Guten Tag Wei Wang," ist im Deutschen korrekt und neutral. Vermeiden Sie es, "Herr" oder "Frau" allein aus der lateinischen Schreibweise des Vornamens zu erraten. Bei regelmäßigem Kontakt ist die Signatur der Person selbst der verlässlichste Hinweis.
Beispiele
Formeller Brief, Geschlecht bekannt (männlich)
Sehr geehrter Herr Wang,
Formeller Brief, Geschlecht bekannt (weiblich)
Sehr geehrte Frau Chen,
Formeller Brief, Geschlecht unklar
Guten Tag Wei Wang,
Alltägliche E-Mail, Erstkontakt
Hallo Wei,
Namen zum Ausprobieren
Häufige Fragen
Steht in einem chinesischen Namen zuerst der Vor- oder der Nachname?
Zuerst kommt der Nachname. Bei "Wang Wei" ist Wang der Nachname und Wei der Vorname, umgekehrt zur deutschen Reihenfolge.
Kann ich das Geschlecht an einem lateinisch geschriebenen chinesischen Vornamen erkennen?
Nur unzuverlässig. Die Umschrift entfernt genau das Schriftzeichen, das normalerweise das Geschlecht anzeigt, daher sind Namen wie Wei, Jing und Ming bei beiden Geschlechtern häufig.
Welche Anrede passt für einen chinesischen Kontakt?
Im Chinesischen folgt die Anrede dem Nachnamen: Xiansheng für Herr, Nvshi für Frau. Im Deutschen "Sehr geehrter Herr/Frau [Nachname]", sobald das Geschlecht bekannt ist, sonst der vollständige Name ohne Titel.
Ändern chinesische Frauen ihren Namen bei einer Heirat?
Nein. Der Nachname bleibt in Festland-China nach der Heirat unverändert, ein Name verrät also nichts über den Familienstand.